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Stand: 08.01.2016

Pressemitteilung

Engagiert für die schwächsten Glieder der Gesellschaft

Leiter Stefan Syren geht in den RuhestandWird als Leiter verabschiedet: Stefan Syren vom Caritas-Förderzentrum St. Martin in Ludwigshafen. Brigitte Deiters / Caritasverband Speyer

Wohnsitzlose Menschen sind eine ungeliebte Zielgruppe - bis heute, sagt Stefan Syren. Diese Erfahrung hat der Leiter des Caritas-Förderzentrums St. Martin, der Einrichtung für Wohnsitzlose in Ludwigshafen, während seiner langjährigen Tätigkeit leider machen müssen: Syren arbeitet seit November 1981 auf diesem Gebiet. Im März 2019 geht er in die passive Phase der Altersteilzeit.

Zeit also, Bilanz zu ziehen über mehr als 37 Jahre Wohnungslosenarbeit in Ludwigshafen. "Der Anfang war ein Schock", gibt er unumwunden zu. Nach dem Studium der Sozialarbeit in Freiburg war die Leitung von St. Johannes die erste Stelle des jungen Mannes. "Wohnungslose wurden im Studium höchstens mal am Rande thematisiert", erzählt er. Und dann kam er in das Haus in der Heinigstraße. "Es war baulich in keinem guten Zustand, es gab keine ordentlichen Toiletten und Acht-Bett-Zimmer", beschreibt er das Haus.

Schrittweise haben Syren und seine Mitarbeiter die Wohnungslosenarbeit in Ludwigshafen ausgebaut. Dazu gehörte unter anderem der Umzug in das jetzige Haus am Unteren Rheinufer. Das zu finden, war alles andere als leicht, erinnert sich Syren. Es dauerte drei Jahre, und es gab auch einige Probleme, "denn frei nach dem Floriansprinzip wollte kein Stadtteil so ein Haus haben", sagt er. Auch dieses Haus am Rhein ist alles andere als optimal für die Bedürfnisse der Männer.

"Wir haben den Bereich der Resozialisierung ausgebaut", berichtet Syren aus der Arbeit des Förderzentrums. 24 Plätze stehen heute Männern zur Verfügung, die wieder in einer eigenen Wohnung selbstständig leben sollen. Zwei Drittel der Zimmer sind Doppelzimmer. "Wir brauchen aber Einzelzimmer", betont Syren und schiebt nach: "Das ist kein Luxus, sondern in Anbetracht der vielfältigen Problematiken der Männer notwendig!" Die Doppelzimmer verfügen über zwei Betten Schrank, Kühlschrank und Fernseher: "Manche Konstellationen sind riskant", beschreibt er die Lage diplomatisch. Denn die Männer haben oft nicht nur mit Verschuldung und Sucht zu kämpfen, sondern immer häufiger auch mit psychischen Belastungen.

Neben dem Resozialisierungsbereich verfügt St. Martin über acht Plätze für Männer im Langzeitbereich. Wobei dieses Wort täuscht: Diese Männer haben praktisch keine Perspektive mehr auf ein selbstständiges Leben, sie werden in St. Martin bleiben - häufig sogar stellt sich die Entscheidung, ob sie im hohen Alter in ein Pflegeheim umziehen müssen. "Es ist uns wichtig, dass diese Männer auch einen Tagesbeschäftigung haben", betont Syren. Dafür wurden beispielsweise der "Kleine Martin", eine Holzwerkstatt, und eine Fahrradwerkstatt eingerichtet.

Vieles wurde mit Hilfe von Spenden ermöglicht. Dazu trug unter anderem der Förderverein bei, der vor elf Jahren gegründet wurde und inzwischen 129 Mitglieder hat. "Wichtig ist, dass der Verein nicht nur viel finanzielle Hilfe leistet, sondern auch Lobbyarbeit in der Gesellschaft betreibt", ist der Einrichtungsleiter dankbar. Er wird ab März in den Vorstand des Vereins wechseln, denn Öffentlichkeitsarbeit zu machen, bleibt für Syren ein wichtiges Anliegen.

"Ich glaube, ich habe einen Großteil meiner Arbeitszeit damit verbracht, um den Fortbestand von St. Martin zu kämpfen", sagt er rückblickend, und: "Das hat viel Kraft gebraucht." Dabei ging es nicht um das pure Überleben der Einrichtung, sondern darum, dass den Männern - und inzwischen den Frauen - sinnvoll geholfen wird. So ist Syren davon überzeugt, dass die geleistete Arbeit in St. Martin viel mehr Früchte tragen könnte, wenn es ein System der Nachbetreuung gäbe: "Die Männer brauchen eine Nachsorge, um im Alltag zurecht zu kommen, Ansprechpartner und Möglichkeiten, ein neues soziales Netz zu knüpfen", fordert er und ist überzeugt: "Das würde am Ende auch viel Geld sparen."

Sehr geduldig musste er sein, um das Projekt für wohnsitzlose Frauen realisieren zu können. Gerade noch rechtzeitig vor seinem Ruhestand  ist jetzt die Nachricht des Landes gekommen, dass das Projekt um weitere zwei Jahre verlängert wird.

Am Ende seiner Dienstzeit sagt Syren: "Ich hätte nie gedacht, dass ich so lange in diesem Bereich bleibe." Aber er sagt auch: "Ich kam und komme gut mit den Männern klar" und: "Ich bin Christ und bin überzeugt davon, dass man etwas tun muss, gerade auch für die schwächsten Glieder einer Gesellschaft." Es stimmt ihn wehmütig, dass mit dem Eintritt in den Ruhestand ein wichtiger Lebensabschnitt zu Ende geht, und er sagt: "St. Martin ist mein Kind geworden." Nicht vermissen wird er dagegen, täglich in die fünfte Etage von St. Martin steigen zu müssen.

Seine Nachfolge ist noch nicht geklärt: Kommissarischer Leiter wird vorerst Peter Lehmann, Einrichtungsleiter des Caritas-Förderzentrums St. Christophorus in  Kaiserslautern, wie St. Martin ebenfalls eine Wohnungslosenhilfeeinrichtung. Stellvertreter vor Ort wird vorerst Klaus Wagner, die Stelle ist ausgeschrieben.

Offiziell wird Stefan Syren am Freitag, 22. Februar 2019, um 11 Uhr im Alfred-Delp-Haus in Ludwigshafen verabschiedet.

Text und Bild: Brigitte Deiters für den Caritasverband für die Diözese Speyer

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