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Stand: 08.01.2016

Pressemitteilung

„Da sieht man die Männer aus einem anderen Blickwinkel“

 Die 20jährige Alicia Sonntag ist seit August 2018 im Bundesfreiwilligendienst (Bufdi) im Caritas-Förderzentrum St. Martin in Ludwigshafen.
Für die junge Frau war nach dem Abitur klar, dass sie Soziale Arbeit studieren, vorher aber noch in einer sozialen Einrichtung „Praxisluft“ schnuppern wollte. „Beim Caritas-Verband als Träger habe ich mich gleich gut aufgehoben gefühlt“, lobt sie. Und weil sie in ihrer Jugend schon viel mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet hatte, wollte sie als Bufdi gerne etwas Anderes sehen. „Hier erlebe ich ein großes Spektrum“, sagt sie: alte und junge Männer, psychisch Beeinträchtigte und Männer mit Suchtproblemen.

Alicia Sonntag in der Küche des Caritas-Förderzentrums St. MartinIm Café Kniffel verbringt Alicia Sonntag Zeit mit den Männern aus St. Martin

Ihre Aufgabe in St. Martin umfasst „alles Mögliche“, erzählt sie. So ist sie am Empfang anzutreffen, hilft den Männern Adressen zu suchen, händigt Schlüssel aus, lässt sie Telefonate führen, muss auch mal Streit schlichten. „Am Anfang bin ich erschrocken, wenn die Männer laut wurden“, erinnert sie sich lachend. Doch inzwischen fühle sie sich in Konfliktsituationen sicherer und professioneller. „Schlagfertiger bin ich auch geworden“, freut sie sich, unter anderem wenn es gilt, Stammtischparolen abzufangen. „Und in manchen Situationen bin ich geduldiger geworden.“

Sie hilft in der Verwaltung aus und erlebt in der Sozialberatung, wie die „Profis“ sich um die Sorgen und Perspektiven der Männer kümmern. Manchmal macht Alicia Sonntag mit den Männern kleine Ausflüge oder geht mit ihnen einkaufen. „Da brauchen sie ganz praktische Hilfe: Sie müssen den Weg bewältigen, mit Anderen kommunizieren und Entscheidungen treffen.“ Regelmäßig ist die angehende Studentin auch im Café Kniffel zu finden, das von den Männern selbst verwaltet wird. „Das Café ist eine gute Einrichtung“, ist sie überzeugt, „da sieht man die Männer auch mal aus einem anderen Blickwinkel.“
Einen anderen Blickwinkel hat ihr der Bundesfreiwilligendienst auf jeden Fall eröffnet, ist die junge Frau überzeugt.  „Man sieht Wohnungslose ja auf der Straße. Und eigentlich macht man einen Bogen um sie. Heute schaue ich die Menschen genauer an und mache mir Gedanken darüber, warum sie auf der Straße leben und nicht in einer Einrichtung sind.“

Auch in St. Martin gebe es Männer, die seien „cool und nett, und man fragt sich: Wie konnte es so weit kommen?“, überlegt Alicia Sonntag. „Besonders für sie würde ich mich freuen, wenn sie wieder ins Leben kommen.“ Dafür sei St. Martin eine ganz wichtige Einrichtung, ist sie überzeugt.
Und was ihren Bundesfreiwilligendienst angeht, sagt sie ebenso überzeugt. „Meine Erwartungen an solch ein Jahr wurden sogar übertroffen. Man bekommt hier viel mehr vom Leben mit.“

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