URL: www.st-martin-ludwigshafen.de/aktuelles/presse/50-jahre-wohnungslosenhilfe-im-haus-st.-martin-2928dc52-4e18-4b2a-91bb-261d4e052679
Stand: 08.01.2016

Pressemitteilung

50 Jahre Wohnungslosenhilfe im Haus St. Martin

Geburtstagskinder dürfen sich etwas wünschen. Das Caritas-Förderzentrum St. Martin feiert am Freitag, 1. Dezember, sein 50-jähriges Bestehen, und Einrichtungsleiter Stefan Syren hat in der Tat Wünsche, zum Beispiel eine langfristige Versorgung von wohnungslosen Frauen und eine standardisierte Nachsorge für ehemalige wohnungslose Menschen.


Das Caritas-Förderzentrum betreibt auch eine Fahrradwerkstatt, in der die Kunden des Hauses mitarbeiten können. Einrichtungsleiter Stefan Syren (rechts) lässt sich zeigen, was gerade gemacht wird.

Seit 1981 leitet Stefan Syren St. Martin, die Einrichtung für wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen. „In der Zeit habe ich vier Sozialdezernenten erlebt“, sagt er. Einmal ist die Einrichtung umgezogen, von der Heinigstraße an den jetzigen Standort am Unteren Rheinufer. „Die Suche über drei Jahre nach diesem Haus zeigte, dass Obdachlose oder von Obdachlosigkeit Bedrohte in unserer Gesellschaft nicht so wichtig zu sein scheinen“, so Syren. „Mit rund 40 Plätzen, die das Haus bietet, ist es extrem beengt und entspricht nicht dem, was Wohnungslose brauchen.“ Denn es gibt fast ausschließlich Zwei-Bett-Zimmer, aber: „Die Menschen leben ja oft auf der Straße, weil sie mit ihrem Umfeld nicht klar kommen. Und hier müssen sie sich dann ständig absprechen und Kompromisse machen.“

St. Martin bietet drei Notübernachtungsplätze, 24 Plätze zur Resozialisierung sowie acht Plätze im Langzeitbereich. 18 Mitarbeiter teilen sich 13 Personalstellen, darunter Sozialarbeiter, Mitarbeiter am Empfang, in Hauswirtschaft und Verwaltung sowie ein Arbeitserzieher.

Sebastian Rauch ist Sozialarbeiter. Er erzählt von einem Mann, der seit knapp zwei Jahren im Resozialisierungsbereich lebt: „Als er nach St. Martin kam, trank er regemäßig zu viel Alkohol, ist noch heute verschuldet.“ Mit Hilfe Rauchs hat er an verschiedenen Maßnahmen des Jobcenters teilgenommen, Arbeitsstunden abgeleistet und das Insolvenzverfahren ist eingeleitet. Heute weiß der Mann Mitte 40, dass er maximal fünf bis sechs Stunden am Tag belastungsfähig ist, er sucht eine Stelle als Hausmeister und seit einem Jahr vergeblich eine Wohnung.

Dieser „typische Fall“ führt zu zwei weiteren Wünschen, die Syren hat: Zum einen einen Wohnungsmarkt in Ludwigshafen, auf dem der Mann eine Chance hat: „Er bräuchte schon eine gute Portion Glück“, meint Rauch. Zum anderen fordert er die Möglichkeit einer Nachbetreuung: „Wir haben viele Männer hier im Haus, denen wir es inzwischen zutrauen, dass sie draußen ihr Leben meistern“, sagen Rauch und Syren. Aber sie bräuchten zumindest anfangs noch eine Begleitung, einen Gesprächspartner. „Wir haben schon einige Männer erlebt, die zurückgekommen sind, weil sie es nicht geschafft haben. Das könnte man vermeiden“, sind sie sich einig.

Schon lange hatte Syren zudem darauf aufmerksam gemacht, dass auch Frauen von Wohnungslosigkeit betroffen sind. Im November 2016 startete in Ludwigshafen das Projekt für wohnungslose Frauen. Das Caritas-Förderzentrum St. Martin ist der Träger. Es wurden drei Wohnungen für fünf Frauen angemietet, die mit Unterstützung einer Sozialarbeiterin wieder befähigt werden, ein selbstständiges Leben zu führen. Syren ist überzeugt, dass das Projekt erfolgreich ist, und dass es notwendig ist. „Wir brauchen unbedingt eine unbefristete Fortsetzung dieses Angebots“, wünscht er sich.

Froh ist der Einrichtungsleiter darüber, dass St. Martin in der Stadt gut vernetzt ist – sehr gut sogar mit dem Krankenhaus „Zum Guten Hirten“. Für den Förderkreis, der seit etwa zehn Jahren das Haus unterstützt, ist er dankbar. Mit rund 120 Mitgliedern macht der Förderkreis es möglich, in Einzelfällen unbürokratisch zu helfen, die Verpflegung für die Übernachter und die Zuzahlung zu Medikamenten zu bezahlen und den Kunden kleine Geburtstags- und Weihnachtsgeschenke zu überreichen.

„Dieses Engagement tut uns gut“, sagt Stefan Syren, zeige es doch, dass es in der Gesellschaft doch Wertschätzung für die Arbeit und die betroffenen Menschen gebe. Daher freut er sich auch auf das Geburtstagsfest am 1. Dezember und ist überzeugt: „Wir können stolz sein auf 50 Jahre in einer extrem wechselhaften Zeit.“

Herausgegeben vom Caritasverband für die Diözese Speyer
Copyright: © caritas  2018