Diözesan-Caritasverband Speyer, 08.06.2017

Katholische Träger im Gespräch mit zwei OB-Kandidaten

Die Stadtverwaltung ist Dienstleister – auch für Menschen, die an der Armutsgrenze leben und Leistungen beantragen und empfangen. Tätigkeiten, die Wohlfahrtsverbände für die Stadt erbringen, müssen auch entsprechende vergütet werden. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GAG hat eine soziale Verantwortung auch gegenüber armen Menschen. Und zuletzt: Manchmal wäre mehr Mut wünschenswert, um Projekte unorthodox anzugehen. Diese vier zentralen Themen sprachen jetzt Mitglieder der Regionalkonferenz Caritas gegenüber den beiden Bürgermeisterkandidaten Jutta Steinruck (SPD) und Dr. Peter Uebel (CDU) an. Getrennt voneinander hatte das Gremium - bestehend aus den Leitungen von katholischen Einrichtungen der Stadt – die beiden zum Austausch eingeladen.

Stefan Syren, Leiter des Caritas-Förderzentrums St. Martin, kritisierte die Unterbringung in den städtischen Obdachlosenunterkünften als nicht menschenwürdig. Unter den Bewohnern herrsche Angst, die hygienischen Zustände seien unhaltbar, eine Betreuung nicht vorhanden. Gemeinsam mit Walter Münzenberger, dem Geschäftsführer der Ökumenischen Fördergemeinschaft, fordert er, dass bei künftigen Neubauten und in der Quartiersentwickung auch ein begleitendes Sozialkonzept erarbeitet wird. Zudem vermisst er bezahlbaren Wohnraum für Menschen, die keine stationäre Einrichtung benötigen, wohl aber ambulante Betreuung. Das Modellprojekt für wohnsitzlose Frauen, das Ende 2016 startete, sei erfolgreich und müsse dauerhaft etabliert werden.


Stefan Syren, Einrichtungsleiter des Caritas-Förderzentrums St. Martin für wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen, forderte in der Caritas-Regionalkonferenz mit den beiden Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl Ludwigshafen die dauerhafte Finanzierung des Modell-Wohnprojektes für wohnungslose Frauen. Außerdem setzte er sich für menschenwürdige Bedingungen in den so genannten städtischen Schlichtwohnungen für Wohnungslose ein .

Martin Schoeneberger vom SKFM Betreuungsverein erhofft sich von der Stadtverwaltung mehr Transparenz von Abläufen, eine bessere Erreichbarkeit von Sachbearbeitern und ein optimiertes Antragsverfahren. Er kritisiert, dass dieselben Anträge und Formulare wiederholt ausgefüllt werden müssen, wenn ein Klient unterschiedliche Anliegen und Bedarfe hat. Mehr Freundlichkeit im Umgang mit den Rat- und Hilfesuchenden fordert er ebenfalls ein. Gerade die Menschen, die für eine Betreuung geführt wird, oder die ehrenamtlich eine solche übernommen haben, wirke das derzeitige System abschreckend und beängstigend.

Auch die Finanzierung der Einrichtungen und Dienste ist für Wohlfahrtsverbände problematisch. Manche Leistungsvereinbarungen, so Birgit Andreas, Leiterin des Caritas-Zentrums Ludwigshafen seien jahrzehntealt und berücksichtigen nicht die gestiegenen Personalkosten. Sie wünscht sich gemeinsam mit ihrer Kollegin Beate Czodrowski künftig mehr gemeinsame strategische Planungen und ein Bündeln aller Kräfte. Das könne zu „passgenauen Angeboten“ führen, die für alle kostengünstiger würde, erfordere  aber zwingend eine „Kultur des Miteinander-Redens.“ Einig waren sich alle Anwesenden, dass die Zuständigkeiten in den vergangenen Jahren gestiegen seien – nicht aber die Finanzierung durch die Stadt.

Michael Röser, Leiter des Caritas-Förderzentrums St. Johannes, warb um ein „Mut-Projekt“. „Wir wünschen uns von einem neuen Stadtoberhaupt, dass sie oder er Dinge unorthodox angeht und innovativ ist;  eine Umgebung, die positiv gestimmt ist und nicht die Hindernisse, sondern die Wege sieht.“ Denkbar wäre ein Leuchtturmprojekt, das eine Richtung aufzeigen kann in der Sozialpolitik, und bei dem man „gemeinsam als Partner experimentieren kann“.

Dr. Peter Uebel nimmt für sich in Anspruch, dass er „für innovative Handlungen immer zu haben“ sei und verweist auf die „street docs“, die er mit gegründet hat. Auch sein Ziel besteht in einer Stadtverwaltung, die pragmatisch und lösungsorientiert handelt. Er weiß aus eigener Erfahrung, dass man „mit dicken Bohrern“ arbeiten müsse und viel Fingerspitzengefühl brauche, wenn man soziale Themen voranbringen möchte. Dennoch sei es ihm ein Anliegen, „die Ränder der Stadtgesellschaft zu verkleinern“ und die Themen Wohnungslosigkeit, Arbeitslosigkeit und auch Schulabbrecher voranzubringen.

Jutta Steinruck versprach zwar keinen „Geldbeutel“, den sich mitbringen werde. Sie vertritt die Meinung, dass nicht alles von der Stadt finanziert werden müsse, sondern man sich verstärkt um Geldgeber umsehen müsse. „Politik darf sich nicht am Geld orientieren“, ist ihre Meinung – und vieles könne sich ändern, wenn die Strukturen sich verändern. Der richtige Weg dorthin bestehe aus einer Ist-Analyse, einer Zielvereinbarung sowie der Beteiligung der freien Träger und Vernetzung. Mehr Geld wolle sie in die Prävention investieren – und dabei sozialraumorientiert planen.